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2026Auf der Jagd nach den tasmanischen Orchideen
Für manche mag es verrückt klingen, doch es waren ausgerechnet Orchideen, die meinen Mann und mich letzten Oktober für 3 Wochen ans andere Ende der Welt gezogen hatten. Keine Strände, keine Berge, keine Städte – sondern winzige Pflanzen, die man leicht übersieht, wenn man nicht weiß, dass es sie gibt. Und selbst dann.
Wir waren gut vorbereitet, dachten wir zumindest. Bücher, Karten, eine ausgezeichnete App über tasmanische Orchideen – alles war dabei. Doch als wir schließlich dort standen, wurde schnell klar: Wissen allein reicht nicht. Diese Pflanzen ließen sich nicht einfach finden. Und wenn man sie fand, verlangten sie Geduld, einen scharfen Blick und natürlich auch die Bereitschaft, sich bäuchlings durch Gras und Waldboden zu bewegen 😉
Die Habitate waren völlig anders als alles, was wir aus Mittel- oder Südeuropa kannten. Keine üppigen Teppiche aus Pflanzen, keine selbstverständliche Fülle. Manche waren kaum größer als ein Daumennagel. Fast bei jedem einzelnen Blümchen war die Freude riesengroß.
Schon am ersten Tag hatten wir Glück. Mitten in einer Wiese aus rötlich-gelbem Gras entdeckten wir sie: kleine weiß-rosa Pünktchen, fast wie zufällig hingetupft. Eine der ersten Orchideen unserer Reise – unscheinbar und doch vollkommen. Und gefunden haben wir sie nur nach dem Hinweis einer Zufallsbekanntschaft.
Überrascht waren wir auch über ihre Lebenspartner. Sonnentau und Orchideen gemeinsam kennen wir auch von zuhause. Doch hier standen sie im Wald. In einem Eukalyptuswald. Und als wäre das nicht schon ungewöhnlich genug, war der Sonnentau deutlich größer als die Orchidee, die er begleitete.
Die App hatte uns verraten, welche Arten zu dieser Jahreszeit blühen sollten. Was sie uns nicht verraten hatte: dass es ausgesprochene Sonnenschein-Orchideen waren. Ihre Blüten öffneten sich nur bei Wärme und direktem Sonnenlicht. So blieb oft nur wenig Gelegenheit manche Arten in ihrer vollen Pracht zu sehen. Danach begegneten uns immer wieder nur Knospen – stumme Versprechen dessen, was hätte sein können.
Während einer Wanderung zu einem Wasserfall machten wir eine unerwarteten Entdeckung. Entlang des Weges standen mehrere Exemplare einer Art, mit der wir nicht gerechnet hatten. Unauffällig am Wegesrand wachsend, wären sie ohne genaues Hinschauen leicht übersehen worden. Die vorbeigehenden Wanderer schenkten uns kaum Beachtung. Niemand wunderte sich, dass wir auf allen Vieren über den Boden krochen. In Tasmanien schien das normaler zu sein als zuhause.
Die tasmanischen Orchideen sind eindrucksvoll und vielfältig. Ihre Formen, Farben und Lebensweisen unterscheiden sich deutlich von mir vertrauten Mustern. Ohne sorgfältige Vorbereitung und Geduld wäre eine erfolgreiche Suche kaum möglich gewesen. Und ich kann auch gar nicht oft genug erwähnen, wie dankbar ich für die Hilfe diverser Zufallsbekanntschaften in den Wiesen und Wäldern war und noch immer bin.
Alles in allem war es ein wundervoller Aufenthalt – auch wenn das Wetter nicht immer mitgespielt hatte. Auch aus fotografischer Sicht kann ich mich nicht wirklich beschweren 😉
Die Sammlung der Orchideenbilder aus Tasmanien findest du hier
Was ich dort sonst noch alles erlebt habe, kommt zu einem späteren Zeitpunkt 🤗
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